what the fuck?!

us-amerikanische und kanadische serien vorgestellt und rezensiert. fiktionale texte zum erfolgreichen exisitieren. what the fuck?! what a mix!

5-Stich-Naht

Dezember 25th, 2007

“nip/tuck (5)”  (imdb-Link) 

Für diese Rezension wurden die ersten 5 Folgen der 5. Staffel berücksichtigt.  

Das Doktorspiel geht in die fünfte Runde und Kalifornien kann sich dank des akademischen Zuwachses aus Miami auf neue Skandale freuen…nur bis wann ist ein Skandal noch skandalös?

 

Irgendwann wird alles „L.A.“. Auch plastische Chirurgen aus Miami sind jetzt „L.A.“. Vier Staffeln lang wurde das Fett halb Floridas abgesaugt und nun wird neues Terrain erschlossen - Terrain mit enormen Potenzial und noch mehr Konkurrenz. Das Duo McNamara/Troy sitzt nun direkt an der Quelle und braucht im Prinzip nur noch abzuschöpfen.

 

 Christian & Sean © 2007 FX Networks

Christian & Sean © 2007 FX Networks 

Aber Kalifornien ist eben nicht der Sunshine State und die vaginalen Plastiken fliegen nicht einfach beim Fenster rein. So. Es gibt also ein Problem, daher gibt es auch eine Story. Gut.

nip/tuck lebt aber nicht nur von der menschlichen Oberflächlichkeit allein, sondern bringt natürlich jede Menge abgedrehten Kram und vor allem abgedrehten Schweinekram mit. Und genau hier liegt der Hund begraben! 

 

Alte Bekannte... © 2007 FX Networks

Alte Bekannte… © 2007 FX Networks 

Diese Handlungsstränge beschäftigen sich zwar nach wie vor mit Sex, Serienkillern, der Mafia, Intrigen, Familiendramen, Drogen, Liebe, und Bruderschaft, aber es funktioniert nicht mehr. Zu oft und zu intensiv wurden die Chirurgen von ihren Lebensumständen durchgebeutelt, um weiterhin brüskiert werden zu dürfen.

 

 ... neue Versuchungen © 2007 FX Networks

…neue Versuchungen © 2007 FX Networks 

Daher haben sich die Protagonisten mittlerweile in jede Richtung und wieder zurückentwickelt - ein Umstand der wiederum, als hätte der Teufel selbst einen Kreis gezogen, nach äußerst kreativen Geschichten verlangt.

Diese bekommt man auch wie gewohnt, jedoch nie ohne klischeehaften Beigeschmack. Der staffelumfassende Spannungsbogen scheint sich auch nicht zu dehnen und somit bleibt vieles an der Dramaturgie einer einzelnen Folge hängen. Handlungen, die sich über mehrere Episoden ziehen, werden vergessen und während man einer Folge entgegenblickt taucht die Frage auf: „Was gibt’s Neues?“ statt „Wie geht’s denn bitteschön weiter?“. Ein Problem mit der Nachhaltigkeit, also.

 

Doch vielleicht erweist sich alles nur als Anlaufproblem und nip/tuck startet noch mal richtig durch. Immerhin erwarten den Rezipienten noch 17 weitere Folgen in dieser Staffel, vollgepumpt mit Sex, Lifestyle und Botox. Ein Golden Globe wird’s wohl eher nicht, aber warum etwas noch wollen was man schon lange hat?

Hier schon mal was vorab Abgesaugtes:

   

The SeX-Files

Dezember 3rd, 2007

“Californication” (imdb-Link) 

Für diese Rezension wurde die gesamte erste Staffel  berücksichtigt. 

Wieder Hollywood. Hank schreibt, killt Ladies und  zelebriert ein hedonistisches, destruktives Dasein mit Stil. Er liebt alle Frauen in L.A. und alle Frauen lieben Ihn, doch will er einfach nur zurück zu seiner Ex und vor allem zu seiner Tochter. David Duchovny als das sympathisch-witzige hardboiled Arschloch mit Drink in der Hand, der in der ersten Staffel brilliert.

 Ok, wir kennen Akte X.

Ok, wir kennen Fox Mulder und ok, das ist David Duchovny und so wird es immer sein.

Möglich, ok.

Aber jetzt ist Californication da und es wird Zeit sich von Serienhelden Agent Mulder zu verabschieden und Hank Moody reinzubitten, der den gelegentlichen Alkoholismus wieder salonfähig macht und das Image des verstaubten Schreiberlings ordentlich umkrempelt. 

Hank Moody © 2007 Showtime Networks Inc. 

Hank Moody © 2007 Showtime Networks Inc. 

Hank Moody ist Autor in L.A., und sein großartigster Roman wurde gerade eben vergewaltigt und als  romantische Leinwandkomödie im Dreck liegen gelassen. Möglicherweise führte dieser Umstand zu der Schreibblockade, die den Hedonisten in ihm, einen ausgiebigen Ausritt gewährt. Drinks, Mädels, Dope, Mädels, Drinks. La vita é dolce! Aber nicht für Hank, denn sofort gäbe er alles auf um zu seiner Ex-Freundin Karen und vor allem zu seiner pubertierenden Tochter Becca zurückkehren zu dürfen.  Auf seinem Platz hat sich jedoch bereits ein Langweiler breitgemacht – ein Mann mit einem Plan, ein Mann mit klar definierter Struktur in seinem Leben, ein Mann so not Hank Moody.

 Langweiler © 2007 Showtime Networks Inc.

Langweiler © 2007 Showtime Networks Inc. 

Ein wunderbares Element dieser Serie beruht nur auf der Konfrontation der beiden Kontrahenten. Ein gefundenes Fressen für Beide. Hank kann seiner Spitzzüngigkeit, in herablassenden, coolen und schmutzigen Sprüchen verpackt, freien Lauf lassen, während es sich für Langweiler [sein Name tut a) nichts zur Sache  und b) gefällt er mir nicht so gut wie ‚Langweiler’] anbietet, Hank als versoffenen Taugenichts darzustellen, der niemals für die Familie so gut sorgen kann wie er.

 

 

Spontanität hat nun aber einfach mehr Sex, als ein Leben, das aussieht als hätte es der Steuerberater errechnet und deswegen gewinnt Hank auch insgeheim, auch wenn er am Ende der Folgen nicht mit der Traumfrau in den Sonnenuntergang reitet, sondern wieder einmal mit jemand anderes Traumfrauen sein Bettchen teilt.

 

Karen & Hank © 2007 Showtime Networks Inc.

Karen & Hank © 2007 Showtime Networks Inc. 

Langeweile scheint übrigens, zumindest in Hollywood, keineswegs erblich zu sein, denn bei unserem Langweiler fällt der Apfel nicht nur kilometerweit vom Stamm, sondern hinterlässt auch noch einen beachtlichen Krater beim Aufprall. Denn Mia ist zwar des Langweilers Tochter aber durchaus kein Kind von Traurigkeit. Erst süße sechzehn und sie hat es faustdick hinter den Ohren und faustdicke Spuren hinterlässt sich auch auf dem Gesicht, ihrer geschockten Sexualpartner. „Fucking and Punching“

ist nicht die einzige nonkonformistische Lebensweise, die sie zu bieten hat. Mit ihrer rotzigen Schlagfertigkeit, Experimentierfreude und jugendlichem Leichtsinn lässt sie es krachen in L.A. und wer ist derjenige, der von alle dem weiß? Richtig…keine schmutzigen, schmuddeligen Geschichten ohne Hank.

 

 Hank & Mia © 2007 Showtime Networks Inc. 

Trotzdem versucht er, sich immer wieder aus solch sündigen Morast herauszuziehen und sich auf rührende Art seiner eloquenten Tochter Becca, die unter dem gleichen Dach wie das kleine Miststück  Mia wohnt, wahre Werte des Lebens beizubringen. Schnell stellt sich heraus, dass Becca längst die richtigen Werte kennt und sie Hank neben ihr wie das eigentliche Kind aussehen lässt. Die Bewunderung seitens Becca gegenüber ihren Vater lässt jedoch niemals nach und somit ist das Töchterchen, wie so oft, der Grund warum Hanks und Karens Beziehung nie wirklich endete.

  

Hank & Becca © 2007 Showtime Networks Inc. 

Eine Geschichte wie es das Leben seit Menschengedenken nun mal täglich schreibt. Seit Menschengedenken - so lange hat auch Charly nichts Gedrucktes  mehr von Hank auf den Schreibtisch geknallt bekommen. Charly ist Hanks Agent. Er hat schon eine Menge Geld mit Hank verdient, aber die Betonung liegt auf der Vergangenheitsform. So versucht er nicht nur um der Freundschaft willen, Hank zu motivieren, neuen Leuten vorzustellen und letztendlich ihn dazu zu bringen, verdammt noch mal etwas zu schreiben.

Doch Charly hat in Californication nicht nur die Rolle des Freundes und des erfahrenen Autorenagenten zu spielen, sondern er ist der Garant für Sexualkomik in der Serie. Er war es in ‚Sex and The City’ und er ist es hier zum Quadrat. Die Charakterglatze ist prädestiniert dafür von einem Fettnäpfchen ins nächste zu hüpfen und dabei Sympathiepunkte beim Publikum einzuheimsen.

 

Charly doing what he has to do © 2007 Showtime Networks Inc.  

Obwohl er noch mehr Sex in die Serie bringt, ist er aber dennoch diesbezüglich ein Gegenpol zu Hank. Während Charly zu sehr und zu intensiv in der Rolle als aktiver Sexpartner aufgeht und somit zum Scheitern verurteilt ist, fliegen Hank alle Möglichkeiten nur so zu, was ihn natürlich die dementsprechende Coolness aufs Gesicht meißelt und ihn ‚gewinnen’ lässt. Gewinnen? Ja – oberflächlich. Denn Karen sein einzig ersehnter Preis in dieser Disziplin ist schon längst wiedergewonnen worden. Und wie das so ist mit Preisen – man gibt sie nicht so gerne wieder her.

Fazit:

Die Elemente, welche die Funktionalität der Serie stützen, sind gut und zeitgemäß gewählt. Komik wird vor allem durch die Dialoge vermittelt, in denen Hank nicht nur immer die Oberhand behält sondern die Gesprächspartner mit seinen Kontern förmlich pulverisiert. Sollten Worte einfach nicht angebracht sein, hilft oft ein Schlag in des Gegenübers Wortspender und somit ist auch schon ein interessanter Charakter geschaffen.

Die Sexualkomik, die das Grand des Inhalts an ‚Sex and The City“ ausmacht, ist hier nur ein sehr willkommener Nebenhandlungsstrang, der ein Schmunzeln und einen inneren kleinen Prüderieschock auch bei den Abgestumpften unter uns nach sich zieht. Den nötigen Kontrast dazu bietet die Erzählung der tiefen Liebe Hanks zu seiner Tochter und zu Karen.

In den USA hat die Serie für viel Aufsehen gesorgt. Obwohl auf dem Premium-Kabel-Kanal ‚Showtime’ ausgestrahlt, hagelte es Proteste. Und das in einem Land, in dem es ein eigenes gebräuchliches Wort für Sex zwischen Unverheirateten gibt. (‚fornication’ – so entstand stellvertretend für das ‚wilde’ Kalifornien das Portmanteau ‚Californication’).

Für stolze Mitglieder des örtlichen Prüderievereins mag die Serie stellenweise nicht nur gegen ihre Statuten, sondern vor allem gegen den guten Geschmack verstoßen. Aber da wir hier von einer Hand voll Szenen in einer ganzen Staffel sprechen und ich meinen Mitgliedsausweis verloren habe, ist für mich eine dahingehende Argumentation zu wenig, um eine gesamte Serie zu disqualifizieren. Vor allem dann wenn ich Sprüche höre wie: „I love women, I have all their albums.“

Danke Hank.

Californicate yourself:

 

 

 

Drecksarbeit

November 19th, 2007

“Dirt” (imdb-Link) 

Für diese Rezension wurde die gesamte erste Staffel  berücksichtigt. 

Gucci-umhüllte Luxuskörper, Parties mit einer höheren Stardichte als Zoolander, den SUV-und Limo-geschwängerten Sunset Strip  und den üblichen Glanz und Glamour – das alles bietet „Dirt“. Doch ist es nur die Beilage zum eigentlichen Festmahl. Dieses besteht aus den tiefsten Abgründen, den dreckigsten Geheimnissen und den abscheulichsten Schmutz, der in Hollywood zu einem Haufen gekehrt wurde –

und oben drauf thront Courteney Cox in Ihrer Rolle als absolute Koryphäe des Boulevard-Journalismus Lucy Spiller, die in ihrem schwarzen Porsche aussieht, als wäre Sie fixer Bestandteil des Designs.

 Courteney Cox als Lucy Spiller (Copyright 2007 by FX Networks)

Copyright 2007 by FX Networks 

Die Chefredakteurin eines Starmagazins  mit der Härte einer Faust, die sich in ein Paparazzo-Gesicht bohrt. Sie ist verantwortlich welcher Promi am nächsten Cover sein Gesicht verliert, welches Leben ruiniert wird UND wer ab jetzt angesagter ist als angesagt. Sie hat die ganze Traumfabrik mit allen ihren Ausläufern in der Tasche und das weiß sie. Auch Ihre Mitarbeiter wissen es, die ausgetauscht werden wie Glühbirnen, wenn sie auch nur versuchen an Lucy oder Ihrer Vorgehensweise zu zweifeln. Sie beruft sich auf nur eine Erfolgsformel: Die Wahrheit kommt raus…immer. Ein Credo das aufgeht. So gelingt es Lucy wöchentlich mittels Hammer-Covern die Kioske zu schmücken und die Konkurrenz vorzuführen.

 Don Konkey, schizophrener Paparazzo (Copyright 2007 by FX Networks)

Copyright 2007 by FX Networks 

Verantwortlich für die vielen Nullen hinter den Verkaufszahlen ist auch Ihr Fotograf Don. Ein liebenswerter schizophrener Meister seines Fachs und eine, der äußerst rar gesäten emotionalen Kontakte Lucys. Wenn er mal seine Pillen nicht nimmt, lebt er in seinem eigenen L.A., wo Tote nicht mehr sprach- und regungslos sind und Katzen nicht zwingend animalische Verhaltensweisen an den Tag legen. Seine Phantasien bilden nicht nur hauptsächlich das komische Element der Serie, sondern nehmen den Rezipienten bei der Hand und zeigen ihm abermals in geschickter, versteckter Manier, dass in der Unterhaltungsindustrie nicht alles Gold ist was glänzt.

  Julia Mallory,und dirty Hollywood (Copyright 2007 by FX Networks)

Copyright 2007 by FX Networks 

Don und Lucy brauchen einander geschäftlich und sozial zu hundert Prozent. Fiele eine Komponente weg wären beide Existenzen unmittelbar ruiniert. Nur Don, der in seinem Job auf die Old-School-Methode vertraut, schießt solche Bilder wie Don.  Ein anderer, an seiner Stelle würde Lucy wohl den Job kosten. Aufgrund seines Wahnsinns, würde er für niemand anderen arbeiten können, geschweige denn fähig sein einer neuen Beschäftigung nachgehen zu können. Während sie Ihn umsorgt und zusieht, dass er sein Leben irgendwie auf die Reihe kriegt, ist er gleichzeitig die letzte Zuflucht für sie, wenn sie realisiert, dass die Wahrheit zwar gerecht ist, doch selbige nicht unbedingt massenhaft Freunde schafft und Liebe regnen lässt. Denn auch eine Chefredakteurin hat Herz, auch wenn es sich in Quarantäne befindet.

 Holt McLaren, Star und Lucys heimliche Liebe (Copyright 2007 by FX Networks)

Copyright 2007 by FX Networks 

Seit Lucys Vater Selbstmord beging als sie zwölf war, (das scheinbar auch die Zeit Ihres sexuellen Erwachens war, wie sich später herausstellt) war’

s das mit der Liebe. Noch dazu wenn er noch davor festhielt, dass er es für sie tat ohne anscheinend daran zu denken, dass man so eine Information doch detaillierter ausführen sollte, will man die Psyche seiner Tochter nicht nachhaltig schädigen. Ihre heimliche Liebe zu einem Star und nächtliche Abenteuer mit ihrem vibrierenden Freund sind dann aber doch Hinweise darauf, dass diesbezüglich nicht alles an Gefühlen mit dem Vater ins Grab genommen wurde. Ihr jüngerer Bruder Leo gibt ihr zwar auch emotionalen Halt, aber richtig geborgen fühlt sich Lucy nur bei Don. Aber viel Zeit für Privatleben bleibt ihr ohnehin nicht, dafür ist sie viel zu sehr mit dem anderer beschäftigt.

 

Fazit:

Dirt gibt Einblick. Viel Einblick in den tiefen Ausschnitt der Hure Hollywood. Karrieren werden gepusht und zermalmt, Stars kotzen sich in Entzugskliniken die Seelen aus den Leibern während ihre zu fetten Ärsche unter der Rubrik „Des-Ass-Ter“ im aktuellen Magazin nachzuschlagen sind. Man glaubt der Serie, denn Boulevardjournalismus à la Dirt kennt man aus jedem heimischen Revolverblatt. Die menschlichen Tragödien und die Millionenindustrie, die damit verknüpft sind, bleiben weitestgehend im Dunkeln. Die Serie zeichnet schöne Parallelen zum „Real-Life“ in Form von nachempfundenen Charakteren. Schwierig wird es jedoch dann, wenn das echte Hollywood glaubt zu sehr mitmischen zu müssen und in einer Folge plötzlich einen ehemaligen Kinderstar mit Sprengstoffgürtel in der Redaktion erscheinen lässt. Doch kleine Ausrutscher am glitschigen Boulevard dürfen erlaubt sein, solange unsere gute Courtney eine derartig gute Figur in Ihrer Rolle macht, dass ihr Mitwirken in diversen schlechten Streifen auf der großen Leinwand nicht nachvollziehbar ist. Sie ist definitiv für die Seriewelt geschaffen und weil wir schon dabei sind: Ihre „Friends“

-Kollegin Jennifer hat einen gelungenen Gastauftritt gegen Ende der Staffel und ich sag nur eins: Es kommt beim Aufeinandertreffen zu mehr als nur einen feuchten Händedruck….

Hier ein paar Spritzer Dreck:

 

Mit Herz und Seele

November 9th, 2007

 “Reaper” (imdb-Link)

Für diese Rezension wurden die Folgen 1-6 der ersten Staffel berücksichtigt.

Es ist der 21. Geburtstag, es ist ein Scheißtag wie jeder andere, Ein Tag wie jeder andere an dem Sam wieder mal die „Workbench“ drücken muss. Workbench, der Heimwerkermarkt, seine Arbeitsstätte mit der er insgeheim eine Hassliebe am Laufen hat. Verhasst wegen der Arbeit selbst und wegen seines soziopathischen „Manager of the Year“-Chefs, der die vollkommene Erfüllung seines Lebens in seiner zu betreuenden Filiale inklusive Mitarbeiter sieht. Doch diese Schatten weichen ganz schnell dem Licht, das jedes Mal entfacht wird, wenn Sam seine Mitarbeiterin Andi trifft. „Freundschaftlich“ würde man Ihre Beziehung wohl nennen, denn die Schwelle zu einer höheren Stufe auf der Relationsskala wurde bislang noch nicht überschritten. Der Verlauf der weiteren Geschichte ist diesem Umstand nicht unbedingt förderlich, aber dazu später mehr.

Sam (Copyright by 2007 The CW Television Network)Andi (Copyright by 2007 The CW Television Network)

Copyright 2007 by The CW Television Network) 

Immerhin gibt’s da auch noch seine (scheinbar einzigen) Freunde, die ebenfalls in der Workbench beschäftigt sind, wobei Sock als ständiger Sidekick mit seiner unglaublichen Einfältigkeit besonders zur Geltung kommt. Jener Sock leistet Sam auch an seinem Geburtstag Gesellschaft. Jener Tag an dem sich Sams Eltern so eigenartig benehmen, jener Tag an dem er mit Superkräften Andis Leben in der Workbench rettet, jener Tag an dem ihn alle möglichen Hunde plötzlich verfolgen und jener Tag an dem er den Teufel im Auto trifft.

 

Beelzebub und Sam (Copyright by 2007 The CW Television Network)Ben & Sock (Copyright by 2007 The CW Television Network)

Copyright 2007 by The CW Television Network) 

Er kommt nach Hause und hört von seinen Vorzeigeeltern aus der Vorzeigevorstadt im Vorzeigehäuschen, dass sie vor Sams Geburt seine Seele an den verscherbelt haben, der „da real shit“ am Laufen hat. Eine Botschaft die, Sams eigentlich smart-wirkendes Quarterback-Gesicht, zu einer verzweifelt und ungläubig anmutenden Ansammlung an Hautfalten werden lässt. Ein Ausdruck der sich wie ein roter Faden auch durch die weiteren Folgen zieht. Ein weiteres Treffen mit dem eleganten „Gott sei bei uns“ im schicken Zweiteiler, verrät Sam, dass er nun auf Ewigkeit sein Eigentum sei und außerdem bis zum Ende seines irdischen Lebens als Kopfgeldjäger arbeiten muss. Er soll dabei entflohene Seelen aus der Hölle, die nun auf der Erde ihr Unwesen treiben, schleunigst wieder dorthin verfrachten, wo die Schmerzen niemals aufhören. Völlig überfordert stellt er sich mit Hilfe seiner beiden Workbench-Freunde dem ersten „Gegner“. In jeder Folge erhält Sam ein eigenes Behältnis für die jeweilige Seele, wobei eins skuriller als das vorangegangene zu sein scheint und man, bis auf das Erste, nie auch nur im Entferntesten errät wie man damit etwas fangen soll. Absolut laienhaft gelingt es den Tölpeln meist beim zweiten Anlauf irgendwie die Seelen tatsächlich zu fangen und beim nächsten Höllenportal, in dem Fall ist es die Zulassungsstelle, abzuliefern.

 

Reaper-Ausrüstung von der Workbench (Copyright by 2007 The CW Television Network) Soulcatching (Copyright by 2007 The CW Television Network)

 Copyright 2007 by The CW Television Network)

Aber ohne der Workbench ginge gar nichts! Denn von dort bezieht das Trio massenhaft Ausrüstung, jeweils auf den Auftrag und auf die zu ergreifende Seele abgestimmt. Von Verlängerungskabeln bis Bodysuits findet man dort alles was das Bountyhunterherz begehrt. Diese „Nebenbeschäftigung“ nagt natürlich ungemein an der Beziehung zu Andi, weil Sam nichts übrig bleibt als sie ständig anzulügen. Aber hat Sam nun einerseits plötzlich zwei nervende Jobs runterzubiegen, findet er andererseits auch Sinn in seinem bisher so schlaffen, motivations- und erfolglosen Leben.

Fazit:

In „Fachkreisen“ wird diese Serie wohl als Dramedy bezeichnet, wobei ich den Anteil an Seriosität, der das Drama letztendlich ausmacht als so gering werten würde, dass man diesbezüglich über eine gewisse Nichtigkeit nicht hinwegsehen kann. Ich traue mich „Reaper“ eine reine Comedy zu nennen, die sich Fantasy-Mitteln bedient. Ein wunderbares Casting wird den Rollen gerecht und schnell merkt man, dass die Nebenrolle Sock sich als Zugpferd und Knüller der Serie entwickelt. Der ständig verzweifelte Gesichtsausdruck Sams haucht ihm die nötige Sympathie ein und lässt das Bildnis des ewigen Losers besser gedeihen. „Reaper“ macht sich gut im 40-Minuten-Format und ließ die Kurzweiligkeit bis dato ständig dominieren. Ein Kritikpunkt über den jedoch auf keinen Fall hinweggesehen werden kann, sind die SFX und die CGI-Elemente, die natürlich hauptsächlich bei der Darstellung der entlaufenen Seelen zum Einsatz kommen. War der Pilot, diesbezüglich, noch einigermaßen ansehnlich, findet man sich in den nächsten Folgen in einer Optik wieder die an Ghostbusters-Zeiten erinnert.

Trotzdem lässt der Witz letztlich alles andere hinter sich und beschert dem Rezipienten eine längst fällige Abwechslung von übernatürlichen Dramaseries, denen ein bisschen mehr Augenzwinkern ganz gut tun würde. 

Hier ein ‘little taste of hell’:

Desperatly needed…

November 7th, 2007

 


Hier passiert es, hier wird gefiltert und sortiert, hier wird vom permanenten Fluß der TV-Serien-Infusion aus Übersee  abgeschöpft, und auf Genießbarkeit getestet. Ein guter Zeipunkt wie ich finde, nachdem sich Hollywood eine erzwungene Verschaufpause leistet. Alle Studios stehen still, wenn es nur der Writer will. Genug Zeit um sich erneut Überblick zu verschaffen, genug Zeit um zu screenen. Wenn ihr vorab wissen wollt welcher Titel und welches Format Trinkwasserqualität aufweist und sich als Nächstes in eure Netzhaut und die Suchtregion eures Gehirns brennen wird, dann: here we go!

 

Aber dieses kleine Seitchen soll nicht nur das Verlangen von hoffnungslosen Abhängigen der gestückelten Werke lindern oder Programmdirektoren und – einkäufern von deutschsprachigen TV-Sendern die nächste Cannes-Woche ersparen (aber mal ehrlich, wer verzichtet denn schon auf Saufen am Strand), sondern es wird auch Fiktion geben. Fiktion über Alltagsshit, Fiktion über Lifestyleshit und Fiktion über Lifestyleshit, die sich z.B. damit beschäftigt warum man „shit“ wahllos an irgendwelche Wortenden hängt.

 

„Und das erwartet euch in naher Zukunft“ ODER „Next on tvrezension.de“:

 

„Dirt“

Courteney Cox als Chefredakteurin eines „Stars und deren Schmutzwäsche“-Magazins lutscht Hollywood den Schwanz, beißt ihn ab und fotografiert ihn. Augenzeugenbericht inklusive Negative der gesamten ersten Staffel gibt’s in der nächsten Ausgabe.

 DIRT

 

„Californication“ 

Und wieder Hollywood. David Duchovny schreibt, killt Ladies und  zelebriert ein hedonistisches, destruktives Dasein mit Stil. Er liebt alle Frauen in L.A. und alle lieben Ihn, doch will er doch einfach nur zurück zu seiner Ex und vor allem zu seiner Tochter. Alles über das sympathisch-witzige hardboiled Arschloch mit Drink in der Hand, das in einer ersten Staffel brilliert –coming soon.

Californication

 

„Reaper“

Er ist 21, Collegeabbrecher arbeitet im Heimwerkermarkt und jobbt nebenbei für den Beelzebub himself. Ein paar satanische Verse über den Fang der ersten 6 Seelen sind hier in Kürze nachzuschlagen. Sympathy for the Devil guaranteed!Reaper